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Presse zu "Ein Bericht für die Akademie"

Furioses Affentheater
(Berliner Morgenpost - 18. Februar 2007 )
Schauspieler Gerolamo Fancellu brilliert in Kafkas "Bericht für eine Akademie" im Stadtbad Steglitz

von Ulrike Borowczyk

Bad Kleinen (Quelle: clubtheater Berlin)Der Lärm ist schon von weitem zu hören. Nach der gepflegten Klaviermusik im Café, den kleinen Bananenkuchen-Häppchen und den Erdnüssen, klingen das Scheppern der Ölfässer und das tierische Quieken geradezu infernalisch. Doch Affe Rotpeter besinnt sich schnell. Kaum hat das Publikum in dem gefliesten Raum mit dem Tauchbecken an der einen und einer Reihe von Duschen an der anderen Wand Platz genommen, wendet er sich an die "hohen Herren der Akademie". Erst gehemmt, dann immer komischer, aber auch böser erzählt er, wie er sein Affentum in nur fünf Jahren hinter sich ließ.

Regisseur Stefan Neugebauer hat die ehemalige Sauna im Stadtbad Steglitz für Franz Kafkas satirische Parabel "Ein Bericht für eine Akademie" in ein furioses Affentheater und den verkopften Erfahrungsbericht in eine lebendige Geschichte verwandelt. Dabei spielt er gekonnt mit der Frage, was den Menschen vom Affen unterscheidet? Der Rotpeter des italienischen Schauspielers Gerolamo Fancellu changiert dazu genial zwischen Homo Sapiens und Primat. Hautnah und sehr physisch hangelt sich Fancellu an den Rohren entlang, springt ins Becken und trommelt, bis er wieder von seinem Impresario zurückgepfiffen und ans menschliche Verhalten gemahnt wird. Dann reizt er seinen italienischen Akzent aus, säuft, rülpst und grölt dazu "O Sole mio". Schließlich ist er jetzt Varieté-Star. Da darf er sich nur äffisch auf dem Boden wälzen, wenn er auch ein Liedchen trällert.

Wie viel Hoffnungslosigkeit in dieser Figur liegt, zeigt die Rückblende von seiner Gefangenschaft und der Entschlossenheit, durch Nachahmung der Menschen einen Ausweg daraus zu finden: Rotpeter tauscht unfreiwillig Freiheit und Unabhängigkeit gegen Luxus und mangelnde Anerkennung ein. In seinem fulminanten Solo erweist sich Fancellu als Erzkomödiant. Er gibt dem domestizierten, zutiefst einsamen Affen mit Witz ein menschliches Antlitz und offenbart so die Tragik einer dressierten Kreatur.