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Presse zu "Nichtschwimmer"

Straff an die Leine genommen
(Neues Deutschland - 19. Juni 2007)

«Nichtschwimmer» – eine Inszenierung im Stadtbad Steglitz

von Tom Mustroph

Der Regisseur Stefan Neugebauer liebt die ungewöhnlichen Orte. Vor Jahren hat er den Szene-Club Cookies mit Theater bespielt, seit einiger Zeit hat er sich das imposante Jugendstilbad Steglitz als Spielstätte auserkoren. Von dem fast 100-jährigen Gebäude ließ er sich jetzt zu der naheliegenden Idee eines Theaterstücks über einen Schwimmkurs inspirieren. In «Nichtschwimmer» werden vier Erwachsene, die sich auch in ihrem sonstigen Leben eher in seichten Gewässern tummeln, von der autoritären in einen blauen DDR-Trainingsanzug geradezu eingemauert scheinenden Schwimmlehrerin Uschi Benis (Alexandra Hökenschnieder) auf den Ausflug ins tiefe Wasser vorbereitet. Zur Unterstützung ist ihr ein recht orthodoxer Psychologe aus Wien beigestellt. Dr. von Druska (Gerhard von Druska) will die Ängste der Nichtschwimmer vor dem flüssigen Element feststellen und sucht sie vor allem in traumatischen Kindheitserfahrungen. Das führt zu zwei Selbstmordversuchen, einem lebensbedrohlichen Unfall, einer Liebeserklärung und zwei Sexangeboten.

Neugebauer und seine Crew haben ein paar hübsche Szenen im wasserfreien Becken und vor allem auf dem schmalen Sims, der den Beckenrand entlangläuft, entwickelt. Ein tolles Komödiantenstück liefert Gerolamo Fancellu als nicht schwimmender Offiziersanwärter Karl-Heinz, der sich von Schwimmlehrerin Uschi nur am Band seiner vorsintflutlichen Schwimmweste ins tiefe Becken zerren läßt und mit diesem an der Treppe festgebunden wird, damit er ja nicht ins Flache entkommen kann.

Doch insgesamt bleiben die Figuren so flach wie das Wasser, das sie nicht verlassen wollen. Wien hat Freud hervorgebracht, also wienert der Psychologe. Die DDR war eine Schwimmnation, also stammt die Trainerin aus dieser und hat ein paar unbewältigte Wendeprobleme auf dem Buckel. Offiziersanwärter Karl-Heinz ist vor allem jämmerlich. Sportlehrer Frank (Peter Fieseler) ein vom Denken befreiter Macho, Journalist Georg (Bernhard Herzog) in erster Linie komplexbeladen und Schauspielerin Anna Belle (Anna Srivastava) ein nie still stehendes Plappermaul.

Dem eigentlich zentralen Aspekt des von Neugebauer geschriebenen Stückes – dem Scheitern des Einzelnen an einer Herausforderung, die die meisten anderen Menschen bewältigt haben – weicht Neugebauers Inszenierung mit oft hilfloser Komik aus. Den schablonenhaften Figuren wird kaum Wachstum zugebilligt und am Ende ist es egal, ob die Kursanten nun ihr Seepferdchen erhalten oder nicht. Den Ausflug ins prächtige Bad und in das idyllische Café auf dem Gelände lohnt es jedoch allemal.