Clubtheater Berlin

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Presse zu "Der Bass, das Piano der Römer und die Dame"

Kauderwelsch der Arien
(Neues Deutschland - 19. April 2008)
Österreichischer Bass im Stadtbad Steglitz

von Volkmar Draeger

Mit Piano, Kühlschrank und Ledersessel auf abgeschabtem Teppich ist die winzige Spielfläche in der alten Wäscherei des Stadtbads Steglitz fast übervoll. Von der Wand herunter blickt, von Kerzen gesäumt, Jesus am Kruzifix auf das altbacken gemütliche Ambiente. Nach schüchternem Klopfen betritt ungelenk ein Buchhaltertyp mit Brille und Koffer den Raum, ruft, klingelt, bekreuzigt sich angesichts der Marienpuppe unterm Jesus.
Presse Neues Deutschland

Dass auf Joseph Hirtinger niemand zueilt, bringt ihn in Rage. So sind sie, die Italiener! Da kommt er, der ehemalige Sängerknabe und universitäre Musikwissenschaftler, von Wien nach Rom, um zum 40-jährigen Jubiläum seine einstigen Mitschüler zu treffen, und schon hat ihn der einbestellte Pianist auf dem Flughafen versetzt. Dabei soll Hirtinger nächsten Tag einen Opernvortrag mit Konzerteinlagen halten.

»Der Bass, das Piano, der Römer und die Dame« nennt Regisseur Stefan Neugebauer seine aktuelle Produktion für das clubtheater berlin. Inszenierte er bislang eher tragische Stoffe von »Woyzeck« bis »Bad Kleinen« in diversen Räumlichkeiten des noch unrestaurierten Stadtbads, so setzt er nun aufs heitere Genre. Natürlich hat der verschlagene, finanztüchtige Wirt ein Zimmer frei, Dusche über den Gang. Natürlich treibt er einen Pianisten auf, den Hirtinger arrogant testet. Abschätzig dreht der Herbergsbesitzer seinem Gast für teures Geld auch noch einen Stapel Schellackplatten an. Als der Musikfan darunter Caruso und Björling entdeckt, per Kurbel auf dem zugehörigen Gerät knisternd abspielt, gerät er aus dem Häuschen, gibt mit veritablem Bassbariton Serenaden, Lieder, gar Opernarien zum Besten. Doch so ernst ist das nicht zu nehmen. Denn nicht nur die römische Herberge ist zweitklassig, auch Hirtingers Meinung von sich übersteigt seine Bedeutung.

Das führt immer wieder zu grotesken Situationen. Als dann noch Putze Maria den österreichischen Sangesbarden mit den Hirschhornknöpfen am Trachtensakko als Mimi aus Puccinis »Bohème« anschmachtet, als Tosca ihre Liebe herausschreit, kommt Hirtingers katholisches Fundament ins Wanken. Der Wirt, bei seiner Telefondomina gerade abgeblitzt, verhökert Maria an den Gast. Der entführt sie – abgebrannt, aber selig.

Musik bildet das Rückgrat dieser amüsanten 80-Minuten-Farce, die geschickt den Italogesang in die Handlung einbindet. Die ist gänzlich auf den raunzig-grantigen Hirtinger zugeschnitten, als der Folke Paulsen mit köstlichem Komödiantentum und kraftvoller Sangeskehle brilliert. Daniel del Ponte als eisig berechnender Wirt ist der rechte Widerpart, Margret Bergen-Kolke fungiert mit schrillem Sopran als Quijote Hirtingers Dulcinea. Ein Spaß voller Spontanimprovisation.




Musiktheater: Der Bass, das Piano, der Römer und die Dame
(zitty - 8. Mai 2008)

von Hermann-Josef Fohsel

In Italien, dem Mutterland aller Opern, gibt es wohl keinen Pizzabäcker, der nicht bei der Arbeit „La Donna è mobile“ aus voller Kehle trällert und keine Putzfrau, die nicht den Boden mit „Nur der Schönheit weihte ich mein Leben“ aus der „Tosca“ säubert. Diese Erfahrung macht jedenfalls der Wiener Musikwissenschaftler Joseph Hirtinger (Folke Paulsen) in dieser unterhaltsamen kleinen musikalischen Reise durchs Opernrepertoire.

Dass auf Joseph Hirtinger niemand zueilt, bringt ihn in Rage. So sind sie, die Italiener! Da kommt er, der ehemalige Sängerknabe und universitäre Musikwissenschaftler, von Wien nach Rom, um zum 40-jährigen Jubiläum seine einstigen Mitschüler zu treffen, und schon hat ihn der einbestellte Pianist auf dem Flughafen versetzt. Dabei soll Hirtinger nächsten Tag einen Opernvortrag mit Konzerteinlagen halten.

Der Ex-Wiener Sängerknabe ist nach Rom gekommen, um sich mit ehemaligen Chorknaben zum 40-jährigen Jubiläum zu treffen und landet in einem äußerst fragwürdigen Hotel. Hier wird er von dem schmierigen Hotelbesitzer (Daniel del Ponte) nach Strich und Faden ausgenommen. Aber das hält ihn nicht davon ab, seine Lieblingsarien zum Besten zu geben, belauscht von der Putzfrau (Margret Bergen-Kolke), die durch seine einschmeichelnde Stimme animiert wird, ebenfalls Arien anzustimmen. Hirtinger brennt zum guten Schluss mit ihr durch und düpiert damit den Wirt. Der unspektakuläre Abend wird gerettet durch das brillante Spiel und Singen von Folke Paulsen, der dem weltfremden Professor mit profundem Bass ein markantes Profil verleiht.

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