Clubtheater Berlin

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Presse zu "Das wundervolle Zwischending"

Was mit Kunst
(Neues Deutschland - 31. Januar 2008)

Clubtheater zeigt Heckmanns-Stück im Stadtbad

von Anouk Meyer

Allein würde man wohl nicht hinfinden. Deshalb werden die ZuschaPresse Neues Deutschlanduer über schmale Treppen und durch verwinkelte Gänge in die ehemalige Nähstube des Stadtbades Steglitz gebracht. Gegenüber den Sitzplätzen steht eine Küchenzeile, davor Tisch, Stühle, Schlafsofa. In der unordentlichen Sozialwohnung leben Anne und Johann – ein ganz normales Paar, würden die beiden nicht ihre Liebe zur Kunstform erklären und filmisch dokumentieren.

»Das wundervolle Zwischending« heißt die neue Inszenierung des Clubtheaters Berlin, bekannt für ungewöhnliche Spielorte. Seit gut einem Jahr spielen Theatergründer Stefan Neugebauer und seine Leute im Stadtbad Steglitz, in Kürze wird in den ehemaligen Umkleideräumen das café freistil eröffnet. Improvisiert, wie die Spielstätte im alten Nähstübchen aus Zeiten, als zum Stadtbad noch eine Wäscherei gehörte, ist das Leben von Anne und Johann. Beide machen »was mit Kunst«, leben aber von Sozialhilfe. Sie lieben sich, doch die Leidenschaft der ersten Jahre ist vergangen. Sie wünscht sich Sicherheit und eine planbare Zukunft, er hingegen kritisiert ihre Berechenbarkeit.

Eine Beziehung wie viele andere, mit einem Unterschied: »Wir versuchen herauszufinden, was die Liebe sein könnte. Wir machen einen Film über uns«, erklärt Anne dem Mann vom Sozialamt, der plötzlich in der Wohnung steht und zunächst von Kunst nichts wissen will. Doch ein geheimnisvolles Bild entfacht die Neugierde des Beamten, der sich daraufhin auf das Filmprojekt einlässt.

Teils hart und schonungslos, teils zart und poetisch erzählt Regisseur Stefan Neugebauer die Geschichte (Text: Martin Heckmanns) dieses am Rande der Gesellschaft lebenden Liebespaars, das schon mal mit Boxhandschuhen aufeinander losgeht und den braven Amtmann mit einem im Schrank eingesperrten Baby schockt, das sich später als Puppe herausstellen wird. Die alltäglichen Dialoge und das wunderbare, natürliche Spiel von Meri Koivisto, Gerolamo Fancellu und Martin Heesch als Mann vom Amt beschwört eine Authentizität herauf, die im schönen Kontrast steht zur abstrusen Handlung. So wirkt selbst eine Szene, in der Johann mit einem Revolver herumfuchtelt und Anne den überforderten Beamten auf den Herd zwingt, noch halbwegs glaubhaft. Der Zuschauer sitzt so nah an der Bühne, dass er sich in die Rolle des Voyeurs gedrängt sieht. Gleichzeitig erhöht die räumliche Nähe die Intensität der manchmal witzigen, manchmal verstörenden Szenen. Profi-Theater abseits üblicher Bühnen – ein Geheimtipp!




Kammerspiel vom Ringen um die Liebe
(Berliner Morgenpost - 26. Januar 2008)

von boro

Anna und Giovanni lieben sich. Nur in der Beziehung hakt es ein wenig. Der leidenschaftliche Sex der ersten Jahre ist Vergangenheit. Er bemängelt ihre Berechenbarkeit und wünscht sich, dass sie ihn verstört, damit er weiß, dass er noch lebt. Sie hingegen will Sicherheit. Auf den ersten Blick ein fast normales Paar, würden die beiden ihre Liebesgeschichte nicht zur Kunst erklären und filmen.

Schonungslos hart, aber auch poetisch-zart und witzig erzählt Martin Heckmanns Stück "Das wundervolle Zwischending" vom Ringen um die Liebe. Von einem Paar, das sich Boxhandschuhe Presse Mopoüberstreift und in den Clinch geht, um sich einander anzunähern. Das Clubtheater-Berlin, bekannt für ungewöhnliche Spielorte, hat dafür die ehemalige Bügelei im Stadtbad Steglitz in eine chaotische Sozialwohnung verwandelt.

In dem kleinen Raum mit der Küchenzeile und dem Schlafsofa ist man als Zuschauer so dicht am Geschehen dran, dass man zuweilen an sich halten muss, um nicht einzugreifen. Dadurch wirkt die eigentlich absurde, zwischen Realität und Fiktion schwankende Story nur umso authentischer. Regisseur Stefan Neugebauer gaukelt raffiniert Alltagsszenen aus dem Leben zweier Sozialhilfeempfänger vor. Das Spiel der Darsteller ist dabei so unmittelbar, als würde man seinen Nachbarn zuschauen. Toll besetzt mit der Finnin Meri Koivisto als Anna und dem Italiener Gerolamo Fancellu als Giovanni sowie Martin Heesch als allgegenwärtigem Mann vom Amt.




Ins Schwimmbad gehen
(Tagesspiegel - 12. Februar 2008)

von Susanne Kippenberger

Als ich klein war, bedeutete Sport Tortur für mich. Fitnesscenter gab’s in meiner Ruhrgebietskindheit noch nicht, dafür Fußballplatz, Turnverein und Schwimmbad. Auf dem Fußballplatz habe ich einen Ball so heftig an den Kopf gedonnert bekommen, dass dieser noch Tage danach brummte. Damit war die Begeisterung zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Im Turnverein sollte ich meine krumme Wirbelsäule beim Sonderturnen gerade biegen; das klang nicht nur wie Sonderschule, es war auch so. Ins Schwimmbad bin ich am liebsten gegangen, nicht wegen des Schwimmens – mit Müh und Not und der Hilfe meiner Schwester habe ich den Freischwimmer geschafft –, sondern wegen der Pommes, die es dort hinterher gab. Heute würde ich ja gerne baden gehen – allein: wohin? Die Bäder in Berlin werden immer weniger, der Volkssport wird zum Elitevergnügen derer, die sich ein Fitnesscenter mit Schwimmbad leisten können.

Dabei hat Berlin so wunderschöne zu bieten. Gabriele Berger hat gleich zwei stillgelegte gekauft, Presse Neues Deutschlandeins in Marienfelde, da wird jetzt im Wasser geturnt, das andere in Steglitz, da wird als Zwischennutzung Theater gespielt. Als ich neulich dort war, stand die Hausherrin persönlich an der Kasse und bat jeden Gast, im alten Maschinenraum, der nun Pausenbar ist, „zu verweilen“ (das letzte Mal, das ich dieses Wort gehört habe, war vermutlich in meiner Kindheit), bis wir zum Theater geleitet würden, über verwinkelte Wege zur alten Nähstube, die nun Bühne und Zuschauerraum ist. „Das wundervolle Zwischending“, das Stück hat den Namen verdient. Ein Künstlerpaar inszeniert seine eigene Liebesgeschichte in der Sozialwohnung, gestört nur von einem Beamten vom Sozialamt. Das ist realistisch, absurd, intensiv und voller Überraschungen, die Schauspieler sind großartig und Regisseur Stefan Neugebauer führt hinterher durch das 100 Jahre alte Bad. Schwimmen kann auch nicht schöner sein. Nur gesünder.

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