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Presse zu "PUFF"

Hautnah
(Berlin/Brandenburg - 19. April 2011)

von Anouk Meyer

Das Ambiente passt perfekt: Römische Rundbögen, marmorierte Säulen und Wandmosaiken schmücken den Tauchbeckenraum der russisch-römischen Sauna im Stadtbad Steglitz. Ein intimer Rahmen für das Zwei-Personen-Stück »Puff«, in dem es um die Begegnung zwischen einer Prostituierten und einem Werbemenschen geht – und um die Verlogenheit und Künstlichkeit unserer Gesellschaft.
PUFF

Seit 2004 finden im denkmalgeschützten Stadtbad Steglitz Kulturveranstaltungen statt, mittlerweile hat sich der besondere Charme dieses traditionsreichen, architektonisch reizvollen Gebäudeensembles herumgesprochen. Nun hat Regisseur Stefan Neugebauer vom clubtheater-berlin, das mit Vorliebe Inszenierungen an ungewöhnlichen Orten zeigt, hier Gabriel Baryllis Stück »Puff« inszeniert. Das Konzept geht auf: Der kleine Vorraum, in dem früher geduscht und nach dem Saunagang der Sprung ins kalte Wasser vollzogen wurde, erlaubt dem Publikum eine ungewöhnliche Nähe zu den Schauspielern, die den Raum zwischen den einander zugewandten Stuhlreihen ebenso nutzen wie ein breites Gitter über dem ehemaligen Tauchbecken. Die Zuschauer werden zu Voyeuren, die den ewigen Kampf um Macht und Liebe zwischen den Geschlechtern quasi hautnah miterleben, aber auch die Verkrampftheit und Leere des modernen Menschen.

Denn Martin, der männliche Protagonist, ist zwar auf den ersten Blick ein erfolgreicher Werbemanager mit viel Geld und wenig Zeit, doch unter der glatten Oberfläche brodelt es. Hinter dem gewollt coolen Getue verbirgt sich ein zutiefst unglücklicher, verbitterter Mann, der die Verlogenheit der Werbebranche ebenso hassen gelernt hat wie seine Ex-Frau, mit der er in einem aufreibenden Scheidungskrieg steckt. Maria, die Prostituierte, die ihm ein Freund empfohlen hat, soll für körperliche Entspannung sorgen – doch ihre mal kühl-schnippische, mal verständnisvoll-zärtliche Art zieht ihn mehr an, als er will. Er verliebt sich in die hübsche Frau und vergisst dabei, dass sie für ihn nur eine Projektionsfläche ist, ein Spiegelbild seiner Hoffnungen und Sehnsüchte.

Mitnichten wird hier eine nette Komödie aufgeführt, eine weitere »Pretty Woman«-Variante mit Kitsch und Happy-End. Der österreichische Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur Barylli hat mit »Puff« vielmehr eine psychologische Tragödie geschrieben, die gleichzeitig die Heuchelei und Falschheit unserer Gesellschaft seziert. Wo sich alles um Geld und den schönen Schein dreht, bleibt kein Platz für echte Gefühle, geschweige denn für negative Emotionen wie die Angst vor Einsamkeit und Tod. »Jeder denkt, er lebt ewig«, lautet einer der Schlüsselsätze des Stücks. Das sind zwar keine bahnbrechenden Erkenntnisse, doch Barylli hat sie in seinem 90-Minuten-Stück klug formuliert und lässt nebenbei genügend Raum für die Annäherung der zwei Menschen.

Andrea Pani Laura und Michael Siller spielen diese beiden mit Überzeugungskraft und Sinn fürs Timing – sie subtil, er mit nervösem Temperament. Dann und wann werden kurze Videosequenzen an die Kachelwand geworfen, doch die sind eigentlich unnötig: Der Text sagt genug aus.